Nieder-Olm, Altweiber-Donnerstag, 16:11 Uhr – die Luft vibrierte vor Erwartung, Konfetti und einem Hauch von Rebellion. Wie jedes Jahr marschierten die Garden des NOCC und NOCV Richtung Rathaus. Federn wippten, Stiefel stampften, Trommeln wirbelten – kurzum: Es war klar, hier wird gleich Geschichte geschrieben oder zumindest die Verwaltung übernommen.
Auf dem Balkon: die beiden Bürgermeister, Ralph Spiegler und Dirk Hasenfuss – einer für die Verbandsgemeinde, einer für die Stadt – Seite an Seite, mit staatsmännischer Miene und vermutlich einem Fluchtplan in der Tasche.
Denn auf einmal schwebte – feierlich, fast schon dramatisch – ein Rathausschlüssel vom Balkon herab. Die Garden jubelten. „So schnell kapituliert?“, raunte es durch die Reihen. Ein Triumphzug schien zum Greifen nah. Der Schlüssel wurde gefangen und ins Schloss gesteckt. Klick. Nichts. Skandal! Der Schlüssel passte nicht. Eine närrische Täuschung! Auf dem Balkon ein verschmitztes Grinsen.
Die Garden berieten sich. Strategisch. Schließlich die dramatische Entscheidung: Rückzug! „Sollen die doch bis Aschermittwoch arbeiten!“, rief Generalfeldmarschall Stefan Kiefer. Ein Raunen ging durch die Menge. Arbeiten? Bis Aschermittwoch? Das klang wie eine Strafe. Plötzlich zeigten sich die Rathausoberen einsichtig und es wurde ein zweiter Schlüssel herabgelassen – diesmal mit dem dezenten Hinweis: „Der müsste jetzt wirklich passen…“ Und er passte!
Fazit des Tages: Der Rathaussturm in Nieder-Olm bleibt spannend. Und eines ist sicher: Nächstes Jahr wird wieder gestürmt. Ob mit oder ohne passendem Schlüssel.
Text & Bilder: Annette Pospesch